Gemüseanbau – Hilfe zur Selbsthilfe

Wie in den meisten Ländern Asiens, steht auf den meisten Speiseplänen der Bevölkerung vorwiegend Gemüse sowie Zerealien. Öle, Fette und Fleisch werden dagegen in geringeren Maßen konsumiert.
Nach Angaben der WHO (Welt – Gesundheits – Organisation) ist die Bevölkerung Sri Lankas mit ausreichend Nahrung versorgt. So verfügte jeder Bürger im Jahr 2009 über durchschnittlich 2450 Kilokalorien* pro Tag. Diese Menge an Kalorien ist laut der WHO ausreichend, dass ein Mensch gesund leben kann und physisch belastbar ist. Dennoch  stellt sich die Frage, warum immer noch so viele Menschen eine Mangelernährung aufweisen.
Die Antwort lässt sich erkennen, wenn man sich die Verteilung der täglichen Kalorien auf die Nahrungsmittel betrachtet (siehe Tabelle).

Nahrungsmittel                                       kcal/ Tag
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Zerealien (Getreide)                                 1368,45
Zucker                                                        255,75
Öle und Fette                                            362,93
Gemüse, Nüsse, Trockenmilch              276,42
Fleisch, Fisch und Eier                             186,15

Tabelle*

Anhand der Tabelle lässt sich erkennen, dass gut 50% der täglichen Kalorien durch Getreide gedeckt werden. Nahrhaftes Gemüse, Nüsse und nährstoffreiches Fleisch, spielen dagegen eine untergeordnete Rolle. Hinzu kommt, dass ein Großteil der Bevölkerung lediglich auf eine Getreideart zurückgreift. Vorwiegend ist dies Reis.
Diese Art der einseitigen Ernährung führt zwangsläufig zu einer Mangelernährung. Es ist somit nicht nur entscheidend, wie viel Kalorien dem Menschen für seine Ernährung zur Verfügung stehen. Entscheidend ist auch, dass die Ernährung ausgewogen ist.

Gerade eine ausgewogene Ernährung ist aber für viele Teile der Bevölkerung nicht möglich. Insgesamt sind Lebensmittel in Sri Lanka recht großen Preisschwankungen unterworfen, welche vor allem finanziell schwache Menschen betreffen. So kostete zum Beispiel 2012 1kg Bananen etwa 0,25€, 2016 sind es dagegen schon 0,75€. Das ist eine Steigerung von 300%.
Ähnliche Steigerungen sind natürlich auch bei vielen anderen Lebensmitteln wie dem Reis zu erkennen. Wie bereits erwähnt, gehört in Sri Lanka, Reis zu den wichtigsten Lebensmitteln überhaupt, und deckt bis zu 50% des täglichen Kalorienbedarfs. Steigende Lebensmittelpreise führen nun dazu, das noch mehr Reis bzw. Getreide verzehrt wird. Denn die Preise für Zerealien sind im Vergleich zu Gemüse und Fleisch geringer. Somit werden die wichtigen Nährstofflieferanten immer weniger gegessen und die einseitige Ernährung wird weiter bekräftigt.

In den vergangenen Jahren haben wir viele Personen in Sri Lanka zu diesem Thema befragt. Neben den Hintergründen, war eine der zentralen Frage: „Warum pflanzen die Menschen kein eigenes Gemüse an?“
Zur Beantwortung dieser Frage haben wir uns ebenfalls sehr genau die Begebenheiten vor Ort angeschaut. Dabei wurden unter anderem Parameter wie Klima, Wasserversorgung, Erdreich, Schädlinge, fehlendes Wissen und Machbarkeit beleuchtet. Letztlich kamen wir für unsere Projektregion zu der Erkenntnis, dass ein Anbau von Gemüse um die Häuser der Familien nur mit einer gezielten Planung und Umsetzung funktionieren kann.
Abgesehen vom Klima haben wir vor allem Probleme in dem Bereich Erdreich, Schädlinge und fehlendes Wissen ausmachen können. So mussten wir feststellen, dass in unserem Projektdorf nur unzureichendes Wissen im Bezug auf Gemüseanbau vorhanden ist. Dies liegt vermutlich vor allem daran, dass das Klima in dieser Region tropisch (warm und nass) ist, und dadurch der Erdboden ausgewaschen ist. Das heißt, er hat nur sehr wenige Nährstoffe, welche für das Pflanzenwachstum aber notwendig sind. Die dort lebende Bevölkerung hat folglich kein überliefertes Wissen bezüglich dem Anbau von Gemüsepflanzen. Ferner sind Schädlinge wie Affen, ein gewisses Problem beim Anbau von Früchten. So ist es nicht selten, dass in dem näheren Umfeld der Häuschen Bäume wachsen, welche Früchte tragen. Leider kommt es aber nur in einem geringen Maß zur Ernte durch den Eigentümer. Denn in vielen Fällen werden die Früchte schon vor der Reife von Affen geerntet.

Immer wieder konnten wir in unseren Gesprächen mit den Einheimischen feststellen, dass sie gerne Gemüse für den Eigenbedarf anbauen würden. Allerdings fehlten ihnen die Mittel und das nötige Fachwissen dazu. Inzwischen haben wir uns diesem Thema näher angenommen und ein entsprechendes Pilotprojekt gestartet.

Ziel dieses Projektes ist die Bestellung eines ertragreichen Gemüsegartens in der näheren Umgebung von Wohnhäusern, sowie die Vermittlung von entsprechendem Fachwissen. Aktuell haben wir ein erstes Gemüsebeet zu Testzwecken angelegt. Familie Roshan übernimmt dabei die Pflege.

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In einem ersten Schritt haben wir im Garten der Familie ein 3,00 x 1,50 Meter und etwa 50 Zentimeter tiefes Loch ausgehoben, welches später mit humusreicher Erde gefüllt wurde. Denn das im Garten vorhandene Erdreich ist durch die Regenfälle ausgewaschen. Über die Zeit ist nur noch festes Gestein, ohne nennenswerte, pflanzenverfügbare Nährstoffe zurückgeblieben.
Zum Schutz des Gemüsegartens haben wir einen Zaun, sowie eine Eingangstür drumherum gezogen. Mittels eines Netzes lässt sich das Beet auch von oben gegen Affen schützen.

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Um die Erde vor Bodenerrosion und Auswaschung zu schützen, wenden wir das Konzept der Terra Preta Erde an. Vereinfacht ausgedrückt, wird in diesem Verfahren zerkleinerte Holzkohle mit organischen Abfällen fermentiert. Die Kohle nimmt dabei die Nährstoffe aus den Abfällen auf, und speichert diese. Nach dem Fermentationsvorgang wird das Substrat zusammen mit der Erde in dem Beet vermengt. Pflanzen können mit ihren feinen Wurzeln auf die in der Kohle gespeicherten Nährstoffe zurückgreifen, welche aber vor Auswaschung durch Regen geschützt sind.

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Das Konzept dieses sehr ertragreichen Bodens, wurde bereits vor vielen 100 Jahren im südamerikanischen Regenwald angewendet. Es ist ohne großen Aufwand realisierbar und benötigt keinerlei künstliche Düngung. Ganz im Gegenteil- eine konventionelle Düngung würde die wichtigen Mikroorganismen schädigen, und somit kontraproduktiv auf das Vorhaben wirken.

Auch wenn wir schon gute Resultate in diesem Testprojekt erzielen konnten, so möchten wir in den nächsten Monaten weitere Optimierungen vornehmen, um dieses Konzept an die örtlichen Begebenheiten weiter anzupassen. Denn aktuell belaufen sich die Kosten für das Anlegen eines Beetes auf etwa 150€ für. Die Kosten entstehen vor allem durch die Einzäunung. Wir streben künftig einen Kostenrahmen von unter 100€ pro Beet an.

Da nach der einmaligen Anlage des Beetes keine weiteren laufende Kosten zu erwarten sind, kann ein solches Beet positiv dazu beitragen, den Anteil an gesunden Nahrungsmitteln, durch das selbst angebaute Gemüse zu erhöhen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt liegt darin, dass das Beet nach der Anlage nur wenig Pflege benötigt. Es ist dadurch sehr einfach und ohne großen Aufwand zu betreiben.

Ihr Team der Sri Lanka – Nothilfe e.V.

 

 

* Quelle: Buch: Der verborgene Hunger, Autor: Prof. Dr. Hans Konrad Biesalski

 

Projektnummer: 2016/004
Ort: Dedduwa
Name: Katarurathna
Begünstigte: > 4
Status: laufend (Testprojekt)