Familie Udayakumara bekommt ein neues zu Hause

In den vergangenen Jahren haben wir bereits mehrere Bauprojekte in Sri Lanka durchführen können. In dem Ort Dedduwa ist Familie Udayakumara die letzte Familie, welche ein Haus aus Lehm bewohnt. Seit beginn unserer Arbeit in dem Dorf kennen wir die Familie. Auch sie hat uns immer wieder bei anderen Bauprojekten unterstützt.
In den Jahren hat sich die Substanz ihres Wohnhauses stark zum Negativen verändert. Bedingt durch Regen und das Gewicht des Daches, hat sich über die Zeit, eine der vier Hauptwände sehr stark deformiert (siehe Bilder in der Gallerie unten). Das Gebäude ist aller voraussicht nach akkut einsturzgefährdet. Trotz der prekären Situation war es der Familie nicht möglich eine alternative Behausung auf dem ihnen zugeteilten Grundstück zu errichten. Die Familie hat zwei Kinder, welche beide in die Grundschule von Dedduwa gehen. Seit Mai 2016 nehmen auch sie an unserem Bildungsprojekt teil. Der Familienvater versucht seine Familie mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser zu halten. In der jüngsten Zeit macht ihnen, ähnlich wie vieler anderer Familien in Sri Lanka, die steigenden Lebenshaltungskosten zu schaffen. Dadurch wird so gut wie der gesamte Lohn, für Lebensmittel aufgebraucht. Ein Haus aus Stein, rückt damit in unerreichbare Ferne. Auch ist von einer Besserung der Lage in absehbarer Zeit nicht auszugehen, da beide Eltern keine berufliche Ausbildung vorweisen können und es nicht erkennbar ist, dass die Lebenshaltungskosten künftig signifikant sinken.

Nach einem erneuten Besuch der Familie haben wir ihnen mitgeteilt, dass wir gerne ein neues Haus für sie bauen lassen würden. Alerdings müsste das jetzige zuvor abgerissen werden, da das Grundstück für den Neubau benötigt werden würde. Die Gesichter der Familienmitglieder sprachen eine eindeutige Sprache. Eine Mischung aus riesiger Freude und Dankbarkeit.
Für uns ist es nach wie vor sehr beeindruckent, wie viel Vertrauen uns diese Menschen entgegenbringen. Immerhin sind sie bereit, ihr eigenes Haus, ungeachtet des schlechten Zustands, abzureißen. Für sie ist diese Haus, neben der Familie, einfach alles. Es ist ein Teil ihrer Lebensgrundlage! Und dennoch vertrauen sie auf unser Wort.
Natürlich haben wir Wort gehalten und am darauf folgenden Tag mit den Bauvorbereitungen begonnen. Anschließend haben wir zusammen mit Freunden und Nachbarn die Familie bei ihrem Auszug unterstützt. Ihre Habseligkeiten konnten sie inzwischen in der Nachbarschaft unterstellen. Aus Sicherheitsgründen haben wir uns dazu entschieden, denn Abriss des Hauses durch einen Bagger durchführen zu lassen.
Dabei wurde uns eindeutig bestätig, dass das Haus einsturzgefährdet gewesen sein muss. Denn der Bagger hatte das Gebäude mit der Schaufel nur leicht berührt, als dieses sodann wie ein Kartenhaus zusammengefallen ist.

In der jüngeren Vergangenheit mussten wir miterleben, dass in Sri Lanka kein funktionierendes Notrufsystem existiert. Verletzte müssen in der Regel eigenständig in ein Krankenhaus zur Behandlung kommen. Nur in seltenen Fällen, wird ein unzureichend (Bedeutet: Kein Arzt und keine medizinische Ausrüstung, abgesehen von einer Sauerstoffflasche) ausgestatteter Krankenwagen zu einer Unfallstelle geschickt. Selbst wenn der Krankenwagen sofort vom Krankenhaus zur Unfallstelle fahren würde, wäre der Patient voraussichtlich mindestens 45 Minuten, wegen des dichten Verkehrs auf den Straßen unterwegs. Zeit die im Ernstfall nicht vorhanden wäre. Ganz abgesehen davon, dass der Fahrer auch noch Zeit dafür benötigt, die Unfallstelle zu finden.
Wir hatten uns deshalb dazu entschlossen einen eigenen „Krankenwagen“ mit Fahrer an der Baustelle für Notfälle bereitzustellen. Dieser Krankenwagen war ein gewöhnlicher Kleinbus, aus welchem die Sitzbänke für diesen Zweck entfernt und durch eine Matratze ersetzt wurden. In einem Notfall wäre es somit möglich gewesen, den Patienten innerhalb von etwa 20 Minuten in das nächste Krankenhaus zu bringen. Alle auf der Baustelle beteiligten Personen wurden eigens dahingehend Unterrichtet, wie bei einem Unfall verfahren werden müsse. Zusätzlich wurde für alle sichtar, ein Schild mit Verhaltensregeln an der Baustelle angebracht. So durfte nur dann gearbeitet werden, wenn Bus und Fahrer einsatzbereit waren.
Auch wenn diese Maßnahme mit Kosten verbunden gewesen sind,  so war sie aus unserer Sicht dennoch sinnvoll und angemessen gewesen. Darüber hinaus haben wir dadurch (unbeabsichtigt!) unser Ansehen bei vielen Dorfbewohnern steigern können.
Etwa zwei Wochen nach Baubeginn war das neue Haus bezugsfertig.
Familie Udayakumara und ihre Freunde entsenden ihre besten Grüße und danken herzlichst mit einem großen Lächeln all den Spendern und Unterstützern, welche zu Ihrem Glück beigetragen haben.
Auch wir bedanken uns bei allen Unterstützern für das uns entgegengebrachte Vertrauen. Darüber hinaus bedanken wir uns bei allen Beteiligten in Dedduwa für die wirklich tolle und reibungslose Zusammenarbeit.

Ihr Team der Sri Lanka – Nothilfe

 

Projektnummer: 2015/001
Name: Familie Udayakumara
Ort: Dedduwa
Begünstigte Personen: vier
Status: abgeschlossen